Von Infektionen, Maulkörben und Idioten
Das Ergebnis des PCR-Tests steht zwar noch aus, aber der Antikörpertest in der Apotheke ist eindeutig. Er ist Corona positiv. Vor dem Antritt der vom Gesundheitsamt angeordneten Quarantäne macht er noch einmal einen ausgedehnten Spaziergang. Dabei geht er, wenn irgend möglich, den Leuten aus dem Weg. Und dann lässt es sich doch nicht vermeiden und er steht einem Impfskeptiker gegenüber. Der findet Alles übertrieben, sieht eine Weltverschwörung und letztlich den Beginn der Endzeit dieser vergehenden Erde. Zum Gespräch kommt es diesmal nicht. Aber diese eine Bemerkung hat gereicht, die er ihm entgegenschleudert. Ihm, der bei aller Abstandswahrung auch noch draußen einen Mund-/Nasenschutz trägt. „Ah, mit Maulkorb. Dann kann ja nichts mehr passieren.“ Das eilig hinterher geworfene „Entschuldigung“ rettet die Situation nicht. Kühl entgegnet er ihm, dass das schon seine Gründe hat. Und er denkt: „So ein Idiot.“
Dabei will er diesen Querdenker und Maskenverweigerer nicht beleidigen. Aber humanistisch gebildet kann er mit diesem Gedanken und auch mit dieser Wortwahl gut leben.
Denn das Wort „Idiot“ leitet sich von dem altgriechischem „idiotes“ ab, das in der polis, dem Staatsverband im antiken Griechenland, jemanden bezeichnet, der sich aus den öffentlichen politischen Angelegenheiten heraushielt und keine Ämter wahrnahm. Mithin die Verantwortung für Staat, Stadt und Gesellschaft anderen überließ. Freilich nicht, ohne derer Versagen wieder und wieder lauthals zu kommentieren. Kein Wunder, dass im Staatswesen jener Zeit, der Attischen Demokratie, diese Idioten wenig geschätzt waren. Denn in jener Demokratie gehörte es zum guten Ton, sich im Staatswesen konstruktiv einzubringen.
Natürlich darf man kritisch sein, wie schon der Apostel Paulus betonte: „Prüft aber alles und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt.“ (1. Thessalonicher 5, 21 f)
Auch dem Staat und der Regierung und ihren Entscheidungen gegenüber darf, ja muss man kritisch begegnen. Sich möglichst umfangreich zu informieren, in alle Richtungen, und sein Wissen samt der gewonnenen Erkenntnisse nicht ausschließlich in der einem so lieb und vertraut gewordenen Echokammer der eigenen Meinung zu gewinnen und zu bewahren, ist hier sozusagen erste Bürgerpflicht.
Das gilt nicht zuletzt für die erwähnten Idioten.
Eine FFP 2-Maske, unter Querdenkern auch Maulkorb genannt