Vor ziemlich genau 10 Jahren bin ich aus dem Berufsleben ausgeschieden. „Pfarrer i.R.“ steht jetzt auf der wenig gewordenen Dienstpost. „i.R.“ meint „in Ruhe“.

Und was sollte man, endlich im Ruhestand angekommen, machen? Vor allem, sich freuen über die Freiheit von etwas und die Freiheit zu etwas. Und dann den Blick nach vorn richten und nicht zurück.

Wie Jesus einst sagte: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lukas-Evangelium, Kapitel 9, Vers 62).

Ein buchstäblich wegweisendes Wort. Was vorbei ist, hinter sich lassen, kein ständiger Blick zurück, schon gar nicht im Zorn, jedenfalls nicht auf Dauer, vielmehr dankbar sein für Erreichtes, auch dank guter Wegbegleiter.

Nach vorn schauen heißt auch, sich Neuem oder nur zu oft Vernachlässigtem zuwenden: Familie und Freunden, Haus und Garten, den persönlichen Interessen und liebend gern auch dem Einsatz für das Reich Gottes. Die Evangelien der Bibel sind voller Beispiele. Das kann eine Erzählung über den eigenen Glauben sein, ein gutes Gespräch, ein Gebet für Kranke und vieles mehr, nicht zuletzt ein ehrenamtliches Engagement im Dienst für die Gesellschaft.

Gern singe ich, was Pfarrer Klaus Peter Hertzsch noch zu DDR-Zeiten 1989 gedichtet hat:

„Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid. Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.“

Holger Wieboldt
Pfarrer i.R.
EXTRA TIP 11. / 12. Juli 2026