Gut drei Jahre, nachdem sie diese Krippe für ihre Eltern gefertigt hat, wurde sie von den Nationalsozialisten hingerichtet.

Weihnachtszeit, Krippenzeit. Wie viele Krippen habe ich schon gesehen, wie viele selber aufgestellt oder mit Kindern und Jugendlichen Krippenspiele auf einer (Kirchen-)Bühne inszeniert.

Wie viele Geschichten ranken sich um die Figuren, die am Heiligen Abend ins Licht der Öffentlichkeit treten.

Über die jeweiligen Künstler, die die Krippenfiguren geschaffen haben, ist gemeinhin wenig bekannt; welche Beweggründe sie hatten, die eine oder andere Figur so und nicht anders zu erschaffen oder sie im Spiel zum Leben zu erwecken.

In meinem Kalender „Der Andere Advent“ (Verlag Andere Zeiten), der mich nun schon seit vielen Jahren begleitet, jedes Jahr neu, kreativ und buchstäblich ansprechend gestaltet, habe ich nun die hier abgebildete Krippendarstellung entdeckt, eigentlich gar keine richtige Krippe, sondern eine Laubsägearbeit, bei der doch nun auch der Name der jungen Künstlerin genannt werden darf, ja, muss:

Sophia Magdalena Scholl, Sophie genannt, die als Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus bekannt wurde, geboren am 9. Mai 1921 in Forchtenberg und gestorben am 22. Februar 1943 in der JVA München, hingerichtet durch das Fallbeill, eine Guillotine.

Hier nun die Besinnung zu dem Foto der Laubsäge-Krippenszene von Sophie Scholl.

Was es braucht

„Was braucht eine Weihnachtskrippe? Für die 19jährige Sophie war die Antwort klar. Dort spielt ein Junge für das Neugeborene Flöte. Die Mutter behütet zärtlich ihr Kind. Ein Mädchen bringt einen Laib Brot mit. Und da sind Tiere aus Sophies heimischem nordeuropäischen Wald. Der Kopf des Rehs ist in der filigranen Laubsägearbeit verloren gegangen. Sicher war er noch da, als die junge Frau ihren Eltern vor 85 Jahren die selbst gesägte Krippe zu Weihnachten schenkte … . Man kann sie an einer Wand befestigen. An beiden Seiten gibt es Kerzenhalter. Kleine Wachsreste zeugen davon, dass in ihnen tatsächlich Kerzen gebrannt haben … . Manche deuten den Flöte spielenden Jungen so, dass Sophie sich selbst in ihm gesehen hat. Denn auch sie hat Flöte gespielt, zum Beispiel vor dem Gefängnis, in dem ihr Vater inhaftiert war. Er soll sich kritisch gegenüber Hitler geäußert haben. „Die Gedanken sind frei“, spielte Sophie damals deutlich hörbar vor den Mauern. Gut drei Jahre, nachdem Sophie Scholl diese Krippe für ihre Eltern gefertigt hat, wurde sie von den Nationalsozialisten hingerichtet. Sophie hatte der studentischen Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ angehört. Ihr Ideal war die Freiheit des Denkens. Und der Mut, zur eigenen Haltung zu stehen. Wie zu ihrer ganz eigenen Sicht auf die Geburt Jesu.“

(Iris Macke, Kalender Der Andere Advent, 2025, 18. Dezember, Wege zur Krippe).