Der kleine, gebrechlich wirkende Mann steht gebückt an der Fußgängerampel. Sie zeigt Rot. Dann setzt er sich auf seinen Rollator, den er mit sich führt. Die Ampel steht immer noch auf Rot. Unvermittelt steht er auf und schlurft los – und kommt sicher auf der anderen Straßenseite an.
In derselben Woche habe ich ähnliches versucht. Fließender, dann kurzzeitig stehender Verkehr auf der einen Straßenseite. Zeitweise stehender, dann fließender Verkehr auf der anderen.
Plötzlich fließender Verkehr in beide Richtungen. Von einem Standstreifen keine Spur. Loslaufen oder stehen bleiben? Vernunft und Unvernunft liegen im Wettstreit. Ich laufe los. Gut gegangen. Zurück zum Auto über den Fußgänger-Überweg. Bei grüner Ampelschaltung. Entspannt und sicher.
Ein paar Tage zuvor hatte eine jüngere Frau Ähnliches versucht. Die Polizeireporterin der Tageszeitung berichtete davon. Jene jüngere Frau hatte ebenfalls versucht, eine viel befahrene Verkehrsstraße in Ampelnähe zu überqueren. Ein Standstreifen vermittelte ihr offenbar den Eindruck, es etappenweise zu schaffen. Dabei unterschätzte sie aber die Geschwindigkeit des fließenden Verkehrs, wurde von einem Auto erfasst und meterweit durch die Luft geschleudert. Sie starb noch an der Unfallstelle an ihren schweren Verletzungen. Papiere hatte sie keine bei sich. Sie trug eine Perücke.
Wagemut geht nicht immer gut.
14.01.2024