Alle Blogbeiträge 9 Aktuelles 9 Durch Deutschland muss ein Trainingsanzug gehen
Wer (der etwas Älteren) erinnert sich nicht an den berühmten Satz: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen.“
Ausgesprochen hatte ihn seinerzeit, genauer am 26. April 1997, der damalige Bundespräsident Roman Herzog.

Anlass war, eine wahrgenommene „mentale Depression“ und Reformstau im Deutschland der späten 1990er Jahre anzusprechen.

Die Forderung Herzogs im vornehmen Berliner Hotel Adlon war, Abschied von liebgewonnenen Besitzständen zu nehmen, insbesondere von „geistigen Schubladen“.

Diese als „Ruck-Rede“ in die deutsche Geschichte eingegangene Ansprache des Bundespräsidenten rief alle gesellschaftlichen Gruppen dazu auf, ihren Beitrag zu leisten und Reformwillen und Innovationskraft zu zeigen und eine politische und gesellschaftliche Erneuerung zu bewirken.

Bundeskanzler wurde ein Jahr später Gerhard Schröder, SPD, ihm folgte Angela Merkel.

Ein Sitznachbar merkte seinerzeit scherzhaft an: „Durch Deutschland muss ein Rock gehen.“ Es wurde dann vorwiegend ein Hosenanzug.

Die Ruck-Rede, insbesondere das bekannte Zitat, blieb als stete Mahnung an alle Regierenden bestehen.

Politisch ruckt es derzeit ganz heftig. Die politische Mitte schwächelt, die Ränder erstarken.

Und mittendrin hält dann wieder einer eine Ruck-Rede: Fleiß zählt, Wettbewerb ist nötig, die Herkunft ist unbedeutend, solange einer einen deutschen Pass hat, Empathie ist unerlässlich und nicht zuletzt: Arbeit muss auch Spaß machen; und auch das dies: Stolz auf dieses Land und seine Fahne ist in Ordnung, Nationalstolz dürfe nicht den Falschen überlassen werden, denn Deutschland sei ein gutes Land, das sich viele als Heimat wünschten.

Wer das gesagt hat? Kein Politiker, sondern der neue Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Jürgen Klopp. Nicht mit einer Krawatte dekoriert im standart-blauen Politiker-Zwirn, sondern im schwarz-weißen Trainingsanzug.

Das hat mal einen Rumms gegeben, der das Potential hat, zum Ruck zu werden, um die Aufgaben zu erledigen, die dringend anstehen. Im Bund, im Land, in den Kommunen, in Ämtern und Ehrenämtern.

Danke, Coach.