Wer aus seinem Beruf ausscheidet und fortan den größten Teil des Tages zuhause verbringt, der wechselt genau genommen nur den Arbeitgeber. Denn dann ist er bekanntlich bei der GEMA. Alte Rentnerweisheit. Die Frau sagt: Geh mal, hol mal, mach mal – und der Mann geht, holt und macht.

Theoretisch kann er sich zwar taub stellen oder widersprechen. Auf Dauer hilft das aber wenig bis nichts. Also tut er, was ihm aufgetragen.

Ute hat sich zur Umsetzung ihrer und der vorgeblich gemeinsamen Interessen einen kleinen rhetorischen Sprachbaukasten zusammengestellt.

Hier einige Kostproben am Beispiel der Gartenpflege oder was immer anliegt: 

> Du willst doch auch, dass der Garten schön aussieht: heute ist das Wetter gut …<
> Du mähst doch gern Rasen. Morgen soll es regnen – oder sehr heiß werden.<
> Der Rasen ist schon sehr hoch. Wenn du nicht bald mähst, dann trittst du alles platt.<
> Wenn du schon beim Rasenmähen bist, kann du auch gleich noch die Terrasse kehren.<

Beliebt ist im Hochsommer auch das Zwetschgen-Einkochen. Damit das nicht mit den Herbstarbeiten zusammenfällt, wirkt eine kleine rhetorische Motivationshilfe zur rechten Zeit:

>Der Hubi pflückt heute schon Zwetschgen. Du auch?< Und wenn Zwetschgen nicht eingekocht werden sollen, für Zwetschgenkuchen zum Beispiel, formuliert Ute auch gern so: >Ob du die Zwetschgen in Folie packst – und die Vogeltränke sauber machst?<

Naja, was gemacht ist, ist gemacht. Beliebt ist auch die passive Redewendung: >Es muss gemacht werden …<
Also: >Der Rasen muss noch gemäht werden.<

Kürzer sind die folgenden Anweisungen: >Machst du das noch?< Also: >Mähst du heute noch den Rasen?< oder – verdeckte Anweisung: >Mäh doch heute noch den Rasen, dann ist das auch gemacht.<

Nur scheinbar eine Wahl lässt die folgende Formulierung: >Wir müssen noch … .< Bei der Gartenpflege eher unwahrscheinlich, im Haushalt aber nur die Vortäuschung einer Wahlfreiheit. Nein, nein, mache ich schon. (Bio-) Müll raus bringen, zum Beispiel.

Bei handwerklichen Dingen reagiert Carlo gern zögerlich. Aber Einwände wie >Das habe ich noch nie gemacht< oder >Keine Ahnung wie das geht<, zählen nicht. Andere können das auch. Mit derartigen „Ermutigungen“ sind ihm tatsächlich kleine handwerkliche Erfolge gelungen.

Gelegentlich erhält er seine Arbeitsaufträge auch über den Hund. Das klingt dann so: >Dein Herrchen geht gleich mit dir raus.< Das muss aber auch wirklich gleich passieren, denn der Hund muß dann fressen und er hat seine festen Zeiten. Auch hier bringt Aufschieberitis also gar nichts – außer Ärger.

Die heikelste Form der Arbeitsanweisung, der nicht wenig Bedrohliches innewohnt, steckt in dem Satz: >Wenn du es nicht machst, muss ich es machen.< Dann hilft bloß noch eines: den Auftrag unverzüglich umsetzen.

Kürzlich sprach Carlo beim Gassigang ein Spaziergänger an, der interessiert verfolgt hatte, wie er seinem Hund eine Anweisung erteilte und der auch prompt gehorchte. >Ist Ihre Frau auch so gut erzogen?<, wollte er sogleich wissen. Was blieb ihm übrig, als dem Mann wahrheitsgemäß zu antworten: >Meine Frau nicht, aber ich!<

Ehrlicherweise muss ich als Außenstehender sagen, dass Ute tatsächlich mehr leistete, was den gemeinsamen Haushalt angeht. Deutlich mehr. Und so gehen die Anweisungen aus meiner Sicht in Ordnung, auch wenn eine Direktive mal sehr knapp ausfällt, wie >Das kannst du mal machen< bzw, >Das machst du.<

Mich erinnern derartige Sprachspiele an die schöne Zeit meines Berufslebens, als mich noch Worte und Mails meines Kollegen erreichten folgenden Inhalts (O-Ton):

>Kannst Du auch die Anmeldung für die Fahrt im September fertig machen. Wir sollten so
schnell wie möglich die verbindliche Teilnahme abfragen. Wir sollten das wieder schriftlich machen.<
Und: >Bezüglich Dingsda sollten wir ruhig einen Elternbrief machen, bevor wir wieder wochenlang hinter den Anmeldungen herlaufen bzw. sie nicht bei den Eltern ankommen.Viele Grüße … <

Da spricht der Chef. Denn nur, wer so auftritt, hat den Hut auf, denn er kann – delegieren.

Wer mit diesem „Wir“ gemeint war? Ute wüßte es!