Was ist das denn? Im Briefkasten ein Pappkarton, zusammengeklebt als Kompaktbrief, gerichtet „An die Bewohner des Hauses …, in Kassel.“ Ein idyllisch anmutendes Foto ziert diesen Brief: eine grüne Sträucherlandschaft, Bäume, im Vordergrund eine Bank. „Einladung“ steht in großen weißen Buchstaben zu lesen. Einladung wozu? Die Unterzeile verrät es: „Lassen Sie sich von uns kostenlos über FriedWald informieren.“

Da will uns jemand eine Grabstätte verkaufen. Uns, den Bewohnern des Hauses, an die dieser Brief gerichtet ist.

Nun kommt ja jeden Tag Einiges ins Haus, was Anbieter gern verkaufen möchten. Kleidung, Reisen, kulturelle Veranstaltungen und dergleichen mehr.

Eine Einladung zum Kauf einer Grabstätte war bisher nicht darunter.

Warum wir? Weil wir Ü70 sind? Weil der Handel mit Adressen diesmal uns erwischt hat? Weil wir auffällig oft beim Arzt oder in der Apotheke waren, weil wir … – ach, was weiß ich!

Ich öffne die Klebezeile der Pappkarte und lese: „Liebe Waldfreunde, naturverbunden, schlicht und friedlich – seit 2001 bietet FriedWald Bestattungen unter Bäumen an.“

Neben dem Angebot von kostenlosem Informationsmaterial wird auch auf die Möglichkeit hingewiesen, sich persönlich im Wald kennenzulernen, „zum Beispiel bei einer Waldführung“.

Ein Hinweis auf die entsprechende Website mit weiteren Informationen Standorte und Grabarten – und natürlich Preisen.

Die abtrennbare Rückantwortkarte muss nicht freigemacht werden, „Entgelt bereits bezahlt“.

Und was fangen wir nun damit an, wir die Bewohner des vom Absender bedachten Hauses?

Jedenfalls nicht über Stock und Stein das Gespräch im Wald suchen, vorbei an Gestrüpp und im Hindernislauf über Baumwurzeln – sonst könnte ein womöglicher Sturz das Ende unseres irdischen Dasein ungewollt beschleunigen. Und das wollen wir doch nicht.

Übrigens: eine Grabstätte haben wir bereits im Augen. Sie liegt nur wenige Minuten entfernt. Und gekauft ist sie auch schon.

Aber gemach.

Übrigens: Ein nettes Zitat ziert noch den braun-grünen Pappkarton der Firma FriedWald:

„Die Natur braucht sich nicht anzustrengen, bedeutend zu sein. Sie ist es. (Robert Walser, 1878-1956)

Ein Wort, geeignet für einen Waldkalender.

Was es mit einem Bestattungsforst zu tun hat? Nichts.