Dieses Vorurteil hält sich wacker, seit Jahren. Und ich gestehe gern, dass auch ich einst einen Audi gefahren habe, mehrere nacheinander sogar.
Dann bin ich innerhalb der VW-Familie umgestiegen auf einen Golf plus, seniorengerecht wenn man so will Dieses Auto passt zu mir, habe ich gedacht, höherer Einstieg, geräumig im Innenraum und gerade so schnell wie ich es vorziehe zu fahren, eher langsam. Auf der Autobahn gern 120, 130 kmh, in der Stadt 50, in verkehrsberuhigten Zonen 30, wie das Gesetz es vorsieht.
Umso mehr hat es mich gewundert, dieser Tage Post von meiner Stadt zu bekommen, genauer vom Ordnungsamt, das mich in einem etwas rüde gehaltenen Schreiben auffordert 50,- Euro zu bezahlen (das sind umgerechnet drei Pizzen: Zingara, Frutti di mare und Salami extra scharf)!
„Ihnen wird vorgeworfen, am … um … in … stadtauswärts als Führer des PKW mit dem Kennzeichen … folgende Ordnungswidrigkeiten begangen zu haben: … .
Ich kürze ab: Erlaubt 30 km, gemessen (nach Toleranzabzug) 42 km/h. Paragraphen soundso. Gemessen mit Lasergerät und Foto (Traffistar) und so weiter. Ein Zeuge (OPB, Ortspolizeibehörde).
Ein Mensch, erwähnte wird nur der Nachname, verwarnt mich, das Bußgeld sei zahlbar innerhalb einer Woche ab Zugang des Schreibens. „Zahlungserleichterungen werden nicht gewährt.“
Dann die erste und einzige „Bitte“. „Bitte überweisen Sie den Betrag … .“
Eine Online-Anhörung wird mir gewährt, die ich allerdings nicht in Anspruch nehme.
Und jetzt kommt´s. Andere Gemeinde, anderes Ordnungsamt, gleicher Brief-Aufbau. Zulässige Geschwindigkeit diesmal 60 km/h, festgestellte Geschwindigkeit (nach Toleranzabzug) 74 km/h.
Außerhalb der geschlossenen Ordnung wohlgemerkt. 40,- Euro diesmal.
Bin ich also doch ein Verkehrsrowdy?
Die verschwommenen schwarz/weiß-Fotos zeigen einen tiefenentspannten, aufmerksamen PKW-Führer, die Augen ausschließlich auf den Straßenverkehr gerichtet.
Wenn ich doch wenigstens den Blitzer gesehen hätte … ich hätte lächeln können. So aber müssen wir mit den geschossenen Fotos der Polizeibeamten leben, die beiden Ordnungsämter und ich.
Nur wenige Tage später… ein warmes, rotes Licht am Ortseingang, Beginn der 30er-Zone. Da hat mich doch glatt schon wieder jemand geblitzt. Ich zucke zusammen, nein, nicht schon wieder. Das Foto diesmal dürfte keinen entspannten Fahrer zeigen, denke ich noch. Aber von wegen. Als säße Buddha persönlich hinter dem Lenkrad.
PS: In meiner Stadt wird vorher angekündigt, wann wo geblitzt wird, mobil und stationär. Mit dem Hinweis, man möge sich doch grundsätzlich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten.
Und damit der Fahrer auch ja aufmerksam bleibt, wurden jetzt die 30er-Zonen deutlich ausgeweitet. Oft merkt man erst am Ende der Zone, dass man hätte nur 30km/h fahren dürfen.
Damit man sich das aber auch für die Zukunft merkt … . Nun ja. Die Kontonummer der Stadtkasse kann ich fast auswendig.