Nach einer Beerdigung sitzen wir beim Trauerkaffee noch eine Weile zusammen, eine bunt gemischte Gruppe aus Angehörigen und Freunden des Verstorbenen.
Mit der jungen Frau zu meiner Rechten komme ich schnell ins Gespräch und wir reden über – mich. Naja, einer muss anfangen, ein wenig zu plaudern.
Also erzähle ich von meinen Ehrenämtern, darunter einem Gesprächskreis in unserem Gefängnis, zu dem ich seit über 20 Jahren immer wieder einmal eingeladen werde. „Über Taten sprechen wir da nicht“, sage ich, „Mehr über Gott und die Welt.“
Sie zeigt Verständnis, die Leute würden ja ständig mit allen möglichen Fachleuten, vom Sozialarbeiter über die Psychologen, die Justizvollzugsbeamten, die Anwälte, dem Sozialdienst und so weiter über ihre Taten sprechen. Da wäre es doch nur nachvollziehbar, wenn sie bei so einem Gruppentreffen auch einmal über Anderes reden wollten.
Das lasse ich erst einmal sacken. Sie hat ja recht.
Dann erzähle ich ihr von meinem Schöffenamt in den letzten 5 Jahren. „Prima!“, sagt sie.
Und wieder lasse ich ihren Kommentar sacken.
Um dann doch nachzufragen: „Haben Sie auch etwas mit der Justiz zu tun?“ „Ja“, antwortet sie knapp: „Ich bin Staatsanwältin.“ Wow. Anfang 30, Staatsanwältin.
Wir hätten noch länger reden können. Über Strafverfahren, Urteile, den Sinn von Gefängnisstrafen… . Aber so ist das mit Randbegegnungen. Sie dauern nur kurz, und sind oft doch beeindruckend genug, sie aufzuschreiben.
Denn, wenn es wieder einmal heißt: „Der muss doch in den Knast. Am besten für immer“ – dann erinnere ich mich an ihre klugen Worten: Wegsperren ist nicht der grundsätzlich richtige und notwendige Weg.
Stimmt!
PS
Thomas Galli, mit Gefängnisarbeit bestens vertraut, gibt aufschlussreiche Antworten zum Thema Sinn und Unsinn von Knast. Lesenswert.